Viele kleine Betriebe kennen das Problem: Das Telefon klingelt während eines Kundengesprächs, während der Werkstattarbeit oder ausserhalb der Öffnungszeiten. Ein KI-Assistent für die Telefonzentrale ist eine Option, die in den letzten Jahren auch für kleinere Schweizer Unternehmen zugänglich geworden ist. Er nimmt Anrufe entgegen, beantwortet einfache Fragen und bucht Termine, ohne dass jemand physisch ans Telefon muss [1].

Dieser Artikel zeigt, was ein solcher Assistent leistet, wo seine Grenzen liegen und was Betriebe beim Datenschutz beachten müssen. Er richtet sich an Inhaberinnen und Inhaber kleiner Betriebe, die prüfen, ob sich die Technik für ihren Alltag eignet.

Was ein KI-Telefonassistent leistet

Ein KI-Telefonassistent ist ein Programm, das Anrufe automatisch annimmt und mit der anrufenden Person spricht. Er beantwortet Fragen zu Öffnungszeiten, Preisen oder Dienstleistungen, bucht Termine im Kalender des Betriebs und leitet komplexere Anliegen weiter. Die Erreichbarkeit ist rund um die Uhr gegeben, auch ausserhalb der Geschäftszeiten oder an Wochenenden [1].

Für Schweizer Betriebe ist wichtig, dass der Assistent Schweizerdeutsch versteht. Nach jedem Gespräch verschickt das System eine kurze Notiz mit den wichtigsten Punkten an die zuständige Person, zum Beispiel per E-Mail [2]. So bleibt der Betrieb informiert, auch wenn niemand das Gespräch live mitgehört hat.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Eine Kundin ruft am Samstagvormittag bei einem Treuhandbüro an und möchte einen Termin für ein Erstgespräch. Niemand ist vor Ort. Der Assistent nimmt den Anruf entgegen, fragt nach dem Anliegen, bucht einen freien Termin in der kommenden Woche und schickt dem Büro eine Notiz mit Name, Telefonnummer und Thema. Am Montagmorgen liegt die Information bereit, ohne dass jemand den Anruf verpasst hat.

Typische Funktionen im Überblick

  • Terminvereinbarung direkt im Kalender
  • Beantwortung häufiger Standardfragen
  • Weiterleitung an zuständige Mitarbeitende
  • Erfassung von Rückrufwünschen
  • Versand einer Gesprächsnotiz nach jedem Anruf

Vorteile für kleine Betriebe

Der grösste Vorteil liegt in der Erreichbarkeit ausserhalb der Spitzenzeiten. Viele kleine Betriebe sind während des Tagesgeschäfts gebunden: am Empfang, in der Werkstatt, im Behandlungszimmer. Anrufe, die in dieser Zeit eingehen, gehen sonst oft verloren oder landen auf dem Anrufbeantworter. Ein Assistent nimmt diese Anrufe auf und sorgt dafür, dass keine Anfrage unbeantwortet bleibt [9].

Ein weiterer Effekt ist die reduzierte Unterbrechung im Tagesgeschäft. Mitarbeitende müssen nicht mehr zwischen Kundenarbeit und Telefon wechseln. Anfragen werden strukturiert erfasst und landen dort, wo sie hingehören. Das verbessert auch die Verteilung: Dringende Anliegen können weitergeleitet werden, einfache Fragen beantwortet der Assistent direkt [9].

Auch kleine Teams ohne eigene Empfangsperson profitieren, weil Anrufe nicht mehr von einer einzelnen Person abhängen, die in den Ferien oder krank sein kann. Die Erreichbarkeit bleibt dadurch über das ganze Jahr konstant. Eine Arztpraxis mit zwei Behandlungszimmern etwa kann so sicherstellen, dass auch während laufender Konsultationen Anrufe für Terminverschiebungen oder Rezeptanfragen erfasst werden, statt dass die Praxisassistenz ständig zwischen Empfang und Behandlungszimmer wechseln muss.

Wo die Technik an Grenzen stösst

Ein gut konfigurierter KI-Assistent antwortet nur auf Basis der hinterlegten Informationen. Das ist eine bewusste Einschränkung: Der Assistent soll keine Angaben erfinden. Bei Unsicherheit bietet er stattdessen eine Weiterleitung an eine Mitarbeiterin, einen Rückruf oder die Zustellung der Anfrage per E-Mail an [4].

Das bedeutet auch, dass der Assistent nur so gut ist wie seine Einrichtung. Fehlen wichtige Informationen in der Konfiguration, kann er Fragen dazu nicht beantworten. Komplexe oder emotionale Gespräche, etwa bei Beschwerden, gehören eher in menschliche Hände. Der Assistent kann solche Fälle erkennen und weiterleiten, ersetzt aber kein persönliches Gespräch, wenn Feingefühl gefragt ist.

Ein weiterer Punkt ist die Einrichtungszeit. Auch wenn moderne Lösungen innert weniger Tage betriebsbereit sind, braucht es vorab eine saubere Vorbereitung: Welche Fragen kommen häufig vor, welche Informationen müssen hinterlegt werden, wer übernimmt bei einer Weiterleitung [5]. Betriebe, die diese Vorarbeit unterschätzen, erleben häufig, dass der Assistent in den ersten Wochen zu oft weiterleiten muss, weil Informationen fehlen. Eine zweite Durchsicht der hinterlegten Inhalte nach den ersten Betriebswochen ist deshalb sinnvoll.

Datenschutz und Transparenzpflicht beim Telefonieren mit KI

Wer einen KI-Assistenten ans Telefon stellt, muss die anrufende Person darüber informieren. Das revidierte Datenschutzgesetz verlangt Transparenz, Zweckbindung und Datenminimierung. Eine Ansage zu Beginn des Gesprächs ist nicht optional, sondern gesetzlich geboten und muss verständlich formuliert sein, zum Beispiel: «Sie sprechen mit unserem digitalen Assistenten» [7].

Für Betriebe, die auch mit Kundschaft aus der EU telefonieren, ist zusätzlich relevant, dass ab dem 2. August 2026 auch dort explizit verlangt wird, dass Menschen erfahren, wenn sie mit einer KI sprechen [8]. Wer grenzüberschreitend tätig ist, sollte diese Entwicklung im Blick behalten.

Beim Thema Serverstandort setzen Schweizer Anbieter in der Regel auf Infrastruktur in der Schweiz, zum Beispiel bei Infomaniak in Satigny, und nutzen für die Telefonie Schweizer Provider [2]. Für die Sprachverarbeitung kommen bezahlte Stufen bekannter KI-Anbieter zum Einsatz, ohne dass Kundendaten zum Training verwendet werden [2]. Betriebe, die unsicher sind, ob ihre konkrete Lösung diesen Anforderungen entspricht, sollten das beim Anbieter abklären oder sich von einer Fachperson für Datenschutz beraten lassen.

Kosten und Einrichtung

Die Preise für KI-Telefonassistenten variieren je nach Anbieter und Funktionsumfang. Einfache Lösungen sind ab CHF 49 pro Monat verfügbar, andere Anbieter starten bei CHF 90 pro Monat [2][3]. Der Unterschied liegt meist im Funktionsumfang, etwa der Zahl der inkludierten Gesprächsminuten oder der Anzahl möglicher Kalenderintegrationen.

Die Einrichtung erfolgt individuell auf den jeweiligen Betrieb. Dazu gehören Informationen zu Dienstleistungen, Preisen, Öffnungszeiten und dem Ablauf bei Weiterleitungen. In der Regel ist ein Assistent innert weniger Tage betriebsbereit [5].

Bei der Wahl eines Anbieters lohnt sich ein Vergleich der Offerten, da sich die Leistungen unterscheiden können: Manche Anbieter rechnen nach Gesprächsminuten ab, andere nach Anzahl bearbeiteter Anrufe. Auch die Frage, ob Anpassungen an den hinterlegten Informationen im Abopreis inbegriffen sind oder separat verrechnet werden, sollte vor Vertragsabschluss geklärt werden.

MerkmalKlassische TelefonzentraleKI-Telefonassistent
ErreichbarkeitAn Personal und Arbeitszeiten gebundenRund um die Uhr, auch ausserhalb der Öffnungszeiten
Ausfall durch Ferien/KrankheitMöglich, ohne StellvertretungKeine personenbezogene Unterbrechung
DokumentationAbhängig von Notizen der PersonAutomatische Notiz nach jedem Anruf
Komplexe AnliegenDirekt durch FachpersonWeiterleitung an zuständige Person

Für welche Branchen sich der Einsatz lohnt

Besonders profitieren kleine und mittlere Unternehmen, Arztpraxen, Kanzleien und Servicebetriebe, die viele Anrufe erhalten, aber nicht ständig erreichbar sein können [6]. Das sind oft Betriebe, bei denen Telefonanrufe über Terminvereinbarungen oder Erstkontakte laufen. Auch Handwerksbetriebe, Treuhandbüros oder kleine Verkaufsstellen setzen die Technik ein, wenn das Telefon oft klingelt, während das Team im Einsatz vor Ort ist.

Ob sich die Investition lohnt, hängt vom Anrufvolumen ab und davon, wie viele Anrufe heute verloren gehen oder zu Unterbrechungen im Tagesgeschäft führen. Eine pauschale Aussage zur Amortisationszeit lässt sich nicht treffen, da sie von Anrufvolumen, Preismodell und den individuellen Abläufen im Betrieb abhängt. Wer das prüfen möchte, sollte eine Offerte bei einem Anbieter einholen und vorher die eigenen Anrufzahlen grob erfassen.

Ein Handwerksbetrieb mit wenigen Mitarbeitenden, die meist auf Baustellen unterwegs sind, erhält häufig Anrufe, die niemand im Büro entgegennehmen kann. Hier zeigt sich der Nutzen besonders deutlich, weil Anfragen sonst erst Stunden später zurückgerufen werden können. Bei einer Kanzlei mit planbaren Bürozeiten und wenig Anrufaufkommen ausserhalb dieser Zeiten fällt der Effekt entsprechend kleiner aus.

Einführung in der Praxis

Vor dem Einsatz werden Zuständigkeiten, Öffnungszeiten und der Ablauf bei Nichterreichbarkeit festgelegt. Der Assistent erfasst Anliegen, strukturiert Rückrufinformationen und stösst Folgeprozesse an, etwa die Buchung eines Termins oder die Weiterleitung einer Anfrage an die richtige Stelle. Eine Übergabe an Mitarbeitende bleibt jederzeit möglich.

Schritte bei der Einführung

  1. Anrufvolumen und häufige Anliegen erfassen
  2. Informationen zu Dienstleistungen, Preisen und Öffnungszeiten zusammenstellen
  3. Ablauf bei Weiterleitung und Nichterreichbarkeit definieren
  4. Transparenzansage zu Gesprächsbeginn formulieren
  5. Testphase durchführen und Gesprächsnotizen prüfen

Nach der Einführung lohnt es sich, die Gesprächsnotizen regelmässig durchzusehen und die hinterlegten Informationen anzupassen, wenn sich Angebote oder Öffnungszeiten ändern. So bleibt der Assistent auf dem aktuellen Stand und die Antworten bleiben zuverlässig. Betriebe, die den Assistenten neu einführen, sollten in den ersten Wochen zusätzlich prüfen, wie oft Anrufe weitergeleitet werden mussten, und die hinterlegten Informationen entsprechend ergänzen.